Firmengeschichte

Seit mehr als 100 Jahren gehört die Züchtung von Gartenrosensorten zur Haupttätigkeit von Rosen Tantau. Während dieser Zeit hat sich das Unternehmen auf die verschiedensten Arten von Rosen spezialisiert. Vor jedoch 20 Jahren erfolgte noch einmal eine Intensivierung der Zuchtlinien auf die verschiedensten Typen von Rosen.

 

1906 Gründung der Firma Rosen Tantau durch Mathias Tantau senior.

Mathias Tantau sen. wurde am 10. September 1882 in Uetersen als Sohn eines Landwirts geboren. Hier machte er zunächst eine Lehre als Baumschulgärtner und arbeitet danach für ein Jahr in der seinerzeit wohl größten und bekanntesten Rosenschule Deutschlands - bei Peter Lambert in Trier. Ein Betrieb, der bekannt war für sein breitgefächertes Sortiment an Gartenrosen. Tätigkeiten bei Rosenbaumschulen in Frankreich und in der Schweiz erweiterten die Kenntnisse. Zu Fuß wanderte Mathias Tantau von Uetersen nach Straßburg, um dort für einen Monatslohn von 15 Mark zu arbeiten.

Zurück in Uetersen begann er auf einem Stück Land seines Vaters eine typisch Holsteiner Baumschule aufzubauen. Das offizielle Gründungsdatum ist der 6. Januar 1906. Von Beginn an lag das Hauptaugenmerk auf dem Anbau von Gartenrosen, Rosenhochstämmen und auf Rosenunterlagen. Auch zwei seiner Brüder, Joachim und Johann, machten sich in dieser Zeit als Baumschuler selbstständig, u.a. zogen sie im Vertragsanbau für Mathias Tantau sen. Rosenpflanzen und Rosenunterlagen an. Bis 1914 stieg die Anzahl der jährlich produzierten Rosenpflanzen auf über 250.000, die der Wildlinge auf über 3 Millionen, dazu einige Tausend Hochstammrosen. Dann unterbrach der Erste Weltkrieg die Entwicklung und die Vermehrungszahlen fielen dramatisch. In diesen Jahren aber begann Mathias Tantau mit Züchtung neuer Rosensorten.

1919 stellte Mathias Tantau sen. seine ersten beiden eigenen Polyantha-Sorten vor: Es waren Stadtrat Meyn und Schöne von Holstein. Es folgten Sorten wie: Rotelfe (1922), Johanneszauber (1926), Professor Gnau (1928), Johanna Tantau (1930), Johanna Röpke (1931),  Direktor Bentschop (1939), Karl Weinhausen und Käthe Duvigneau (1942), Tantaus Überraschung (1943), Märchenland und Fanal (1946), die z.T. weltweite Bedeutung erlangten. Eine der letzten Züchtungen war die berühmte rote Polyantha Rose Schweizer Gruß (Red Favorit). Alle diese „Neueinführungen" waren zu jener Zeit große Fortschritte in der Entwicklung der Gartenrose, insbesondere im Hinblick auf Reichblütigkeit und auf Remontieren und auch die Gesundheit spielte seinerzeit schon eine wichtige Rolle.

Eine Züchtung der frühen 40iger Jahre war die Polyantha-Rose Garnette, die nach dem 2. Weltkrieg eine weltweite Bedeutung als Schnittrose im Unterglasanbau erlangen sollte. Diese Eigenschaft wurde zunächst in Deutschland nicht erkannt, sondern beim Kooperationspartner in den USA der Firma Jackson & Perkins, von wo sie nach Beendigung des 2. Weltkrieges wieder nach Europa kam, um in den Niederlanden in Hunderttausenden von Exemplaren in den Gewächshäusern angebaut zu werden. Die ursprünglich doldig wachsende Polyantha-Rose wurde durch Ausbrechen der Seitenknospen zur einstieligen Schnittrose, die sich durch eine bis dahin unbekannte sehr große Produktivität und vor allem durch sensationelle Haltbarkeit auszeichnete.

Die schwierigsten Zeiten in der Firmenentwicklung  waren natürlich die beiden Weltkriege, aber auch der schwere Hagelsturm, der Uetersen am 10. August 1925 heimsuchte und sowohl die Rosenfelder als auch die vorhandenen Gewächshäuser dem Erdboden gleichmachte, ohne dass diese Schäden durch eine Versicherung gedeckt waren.

 

1948 - der Sohn Mathias Tantau junior führt den Erfolg seines Vaters fort

Heil aus Krieg und Gefangenschaft zurückgekehrt, übernahm Mathias Tantau junior die Verantwortung für den Betrieb. Groß geworden in Rosen verfügte er natürlich über fundierte Kenntnisse in der Züchtung wie auch in der Geschäftsleitung. Er begann zunächst mit einer Änderung in der Züchtungsstrategie, da er den Trend des Marktes zu großblumigen, langstieligen Rosen in leuchtenden Farben vorhersah und insbesondere sollten die neuen Sorten auch eine gute Resistenz gegen Pilzkrankheiten aufweisen.

Einer seiner ersten Erfolge und darüber hinaus eine große Ehre war die Teehybride Konrad-Adenauer-Rose, benannt nach dem ersten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Konrad Adenauer persönlich wählte diese Sorte aus und taufte sie; war er doch selbst ein großer Rosenenthusiast und suchte für seinen Namen eine großblumige Edelrose in Rot mit besonders starkem Duft.
 
Im Jahr 1960 konnte Mathias Tantau junior einen seiner größten Erfolge auf den Markt bringen: die lachs-orangefarbene Teeyhybride Super Star (Tropicana). Als die Sorte das erste Mal der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollte, anlässlich einer Ausstellung in Saarbrücken im Sommer 1960, und Mathias Tantau selbst zusammen mit seiner Ehefrau noch dabei waren, eine große Vase mit 200 Super Star Blumen zu dekorierten, bildete sich plötzlich um sie herum eine Traube von Journalisten. Diese Rosenfarbe in Kombination mit dem starken Duft war schlichtweg eine Sensation!

Zunächst als Gartenrose eingeführt, erlebte Super Star als Treibhaus- und Freilandschnittrose eine nie da gewesene Popularität. Bis heute findet man diese Sorte in der offiziellen Liste der Blumen-Auktionen in Holland. Mathias Tantau richtete ein Hauptaugenmerk auf großblumige, winterharte Sorten mit starkem Duft und das Ergebnis waren Weltsorten wie Duftwolke (Nuage Parfume, Fragand Cloud) 1963, Mainzer Fastnacht (Sissi, Blue Moon) 1964, Pariser Charme 1964, Whisky (Whisky Mac) 1967, Erotika 1968, Herzog von Windsor (Duke of Windsor) 1969 und Landora 1970 sowie später Sorten wie Piroschka, Polarstern, Romanze, Lawinia und Montana.

Im Jahre 1964 war Rosen Tantau zu einem Betrieb mit ca. 70 Mitarbeitern gewachsen, die jährlich 3 Millionen Rosenpflanzen produzierten und ca. 2500 qm Gewächshausfläche kultivierten. Mathias Tantau junior gewann viele internationale Preise für seine Duftrosen als auch für seine zum ersten Mal professionell zu diesem Zweck gezüchteten Schnittrosen. Für seine Verdienste um die Rose wurde er mit der Georg Ahrends Gedächtnismedaille ausgezeichnet.

 

1985 begann eine neue Ära

Im Jahr 1985 entschloss sich Mathias Tantau junior den Betrieb an seinen erfahrenen Angestellten Hans Jürgen Evers zu verkaufen, dessen Vater Hein Evers 50 Jahre bei Rosen Tantau in leitender Stellung tätig war und ein Freund der Familie Tantau wurde.

H.J. Evers hatte schon viele Jahre im Verkauf, in der Züchtung und der Selektion mit Mathias Tantau junior zusammengearbeitet und es war deswegen nicht allzu schwierig für ihn, die neue Verantwortung zu übernehmen. Dennoch gestaltete sich der Start äußerst schwierig: Durch den außergewöhnlich strengen Winter 1984/85, hatten die Veredelungen stark gelitten und es mussten Millionen von Rosenpflanzen zugekauft und meist importiert werden, um die Kundschaft zu befriedigen, auch wenn der finanzielle Spielraum kaum gegeben war.

Jedoch ungeachtet dieser ersten sehr schwierigen Jahre, konnte der Betrieb weiter ausgebaut werden, insbesondere das Züchtungsprogramm wurde ausgeweitet und umgestellt.

 

Ausweitung der Züchtungsprogramme bei Rosen Tantau

  1. Gartenrosen
    Reich blühende und besonders krankheitsresistente Gartenrosen für weltweite Märkte in allen Segmenten. Einführung erfolgreicher Sorten wie Santana 1985,     Bernstein Rose 1987, Schneewalzer 1987, Barkarole 1988, Mirato 1990, Satina 1992, Schneekönigin 1992, Sonnenschirm 1993, Goldjuwel 1993, TeaTime 1994, BlackMagic 1995, Nostalgie 1995,  Aspirin-Rose 1997, Austriana 1997, Augusta Luise 1999, Candlelight 2001, Sweet Haze 2003, Pastella 2004.
  1. Freiland-Schnittrosen
    H.J. Evers war einer der Ersten, der bei Züchtungs- und Selektionskriterien sein Augenmerk auf Eigenschaften für den Anbau zur Schnittrosengewinnung im Freiland richtete. Erste Erfolge waren Sorten wie Diadem, später MonicaMajolikaSofty und heutige Sorten wie KessyMariatheresia und Nostalgie.
    1. Schnittrosen für den Erwerbsgartenbau
      Mit der Markteinführung der Sorten GarnetteIlseta 1982 und Belinda hatte die Erfolgsgeschichte in diesem Segment begonnen. Die dann zunächst in den Niederlanden eingeführte und auf vielen Hektaren  kultivierte Schnittrose Osiana (1989) begann ihren Siegeszug durch Südamerika und öffnete dort die Türen für Tantau-Züchtungen auf diesem wohl bedeutendsten Markt für Schnittrosensorten. Zusammen mit Osiana kam die dunkelrote, fast schwarze, duftende Teehybride Barkarole, die auch als Gartenrose gepflanzt wird. Die extrem großblumige, hellrote Teehybride Raphaela, die gelbe Edelrose Skyline, sowie Konfetti und später Noblesse folgten. Konfetti und Noblesse öffneten auch die Türen der Gewächshäuser des schnell sich vergrößernden Anbaus in Ostafrika und sie sind immer noch auf den internationalen Blumenmärkten präsent. Welterfolg waren etwas später die Sorten Black MagicAkitoMilva und Vendela. Unterstützt durch den rasanten Anstieg des Schnittblumenkonsums weltweit und die intensive globale Zusammenarbeit mit mehr als 30 Repräsentanten in allen Erdteilen werden heute Tantau Rosen in nahezu allen Ländern der Erde angebaut.

Es ist der besondere Verdienst H.J. Evers', dass er den Trend der Verbraucher zu großblumigen Schnittrosen in kräftigen Farben voraussah und die Züchtungslinien bereits früh auf diese Richtung einstellt, um die Nachfrage befriedigen zu können. Während der letzten zehn Jahre entwickelte sich Rosen Tantau zum "Global Player" im Bereich  Rosen dank dieser Ausrichtung des Züchtungsprogramms.

Es ist fast selbstverständlich, dass, seit H.J. Evers die Verantwortung übernahm, auf den Gelände von Rosen Tantau zahlreiche neue, modernste Gebäude errichtet und die bestehenden restauriert wurden. Heute produziert Rosen Tantau neben ca. 2 Millionen Gartenpflanzen auch alle Arten von Jungpflanzen für die Schnittrosenproduktion. Es stehen hierfür ca. 50 ha Freiland und 2 ha modernster Gewächshaustechnik zur Verfügung. Während des ganzen Jahres werden Rosen gezüchtet und selektiert und Rosen Tantau wurde zum Treffpunkt von Rosenexperten und Repräsentanten der ganzen Welt.

 

2000 - Rosen Tantau's Erfolgsgeschichte wird fortgeführt

Seit im August 2007 Herr Hans Jürgen Evers unerwartet früh verstarb, leitet Sohn, Christian Evers, Rosen Tantau und setzt die lange Tradition der Rosenzüchtung in Uetersen fort.

Bereits viele Jahre an der Züchtung beteiligt, hat er vielversprechende Gartenrosen wie Sweet Haze®, Chippendale®, Heidi Klum Rose® und zuletzt die aufregende rote Nostalgierose Piano®  vorgestellt.

Die Züchtungsarbeit wird in sämtlichen Bereichen intensiv fortgeführt. Die Rosenfreunde in aller Welt dürfen sich sicher auch in Zukunft über herausragende Sorten von Rosen Tantau freuen.